
Von Primetime Entertainment/ André Makee
RADIO KOSMOS: MOSQUITObooking – wie seid Ihr auf diesen Namen gekommen und hat er eine tiefere Bedeutung?
Normalerweise gibt es zur Namensfindung ja immer eine kleine Geschichte. Bei uns ist das aber irgendwie nicht so. Das Wort „MOSQUITO“ kam uns einfach unter, als wir gerade nach einem Namen für die Agentur gesucht haben. Wir fanden es beide auf Anhieb gut – und haben es dann der Sache wegen einfach noch um „booking“ erweitert. Wir sind deshalb auch schon häufiger gefragt worden, ob wir vielleicht ein Fable für Stechmücken hätten. Klares Nein. ;-) Es hat einfach keine tiefere Bedeutung…
RADIO KOSMOS: Wer hatte die Idee von MOSQUITObooking und wann wurdet Ihr gegründet?
Der Bruder von unserem Chefbooker Thomas hat zu dem Zeitpunkt schon seit mehreren Jahren auflegt und kam bei der Koordination seiner Bookings und der Clubbemusterung nicht mehr richtig hinterher. Weil es einem anderen befreundeten DJ auch so ging, entstand irgendwann – zunächst aus Spaß - die Idee, einfach eine Agentur zu gründen. Man muss dazu sagen, dass wir damals noch im ostsächsischen Görlitz gewohnt und gearbeitet haben – und es so etwas dort auch noch nicht gab. Kurz darauf haben wir die Idee dann tatsächlich in die Tat umgesetzt und sind zunächst mit zwei DJs gestartet. Na ja, und im Laufe der letzten zwei Jahre hat sich das dann auf 16 Künstler summiert.
RADIO KOSMOS: Worin besteht Eure Philosophie und was möchtet Ihr erreichen?
Ich muss sagen, dass sich unsere Philosophie erst mit den Erfahrungen entwickelt hat, die wir in den vergangenen zwei MOSQUITObooking-Jahren gemacht haben. Uns ist aufgefallen, dass es – gerade für Newcomer-DJs – sehr schwer ist, in der Clublandschaft Fuß zu fassen. Das liegt meistens an vielen kleinen Dingen, wie fehlenden Kontakten oder wenig überzeugenden Bewerbungen bei den Clubs. Und natürlich daran, dass es eben sehr, sehr viele DJs gibt und man sich von der Masse gerade am Anfang nur schwer abheben kann. Wir haben als Agentur die Möglichkeit, die Kontakte, Erfahrungen und Kompetenzen aller unserer Künstler zu bündeln und dann gemeinsam zu nutzen. So kann man, wenn alle an einem Strang ziehen, deutlich mehr rausholen als jeder für sich selbst. Und genau das macht schließlich auch unsere Arbeit als Agentur aus.

RADIO KOSMOS: Wie viele Künstler sind unter Eurem Dach? Wie sieht die Betreuung der Künstler konkret aus und welche Ziele verfolgt Ihr?
Wir betreuen zurzeit insgesamt 16 Künstler, darunter zwei DJanes und ein DJ-Team. Dafür haben wir unsere beiden Booker Thomas und Peter. Sie kümmern sich darum, die Dates der Künstler zu koordinieren, Verträge abzuwickeln und das Drumherum der Gigs, wie Anfahrt und Übernachtung, für die Jungs und Mädels zu regeln. Das Ganze dient letztlich dem Zweck, dass sich der Künstler voll und ganz auf’s Auflegen konzentrieren kann – ohne sich mit dem bürokratischen Kram auseinandersetzen zu müssen. Ich kümmere mich um die Bemusterung der Clubs, Presseanfragen, Interviews und unsere komplette Webpräsenz inklusive der MySpace-Seite. Außerdem bin ich dafür da, dass das Promo-Material (insbesondere Biografien, Discografien und Fotos) von allen immer auf dem neuesten Stand ist.
RADIO KOSMOS: Welchen Musikstil und in welchem Umfang vertritt MOSQUITObooking?
Im Großen und Ganzen läuft MOSQUITObooking unter dem Dach der elektronischen Musik. Die ist natürlich sehr facettenreich, aber ich denke, wir decken mit unseren Künstlern vieles ab. Der Großteil von ihnen spielt Electro- oder Minimal-Sounds. Wir haben aber natürlich auch Künstler, die noch etwas mehr Gas geben und straighten Techno auflegen – und wiederum welche, die auch sehr gut in die Lounge passen. Seit Ende letzten Jahres betreuen wir nun auch noch drei House-Acts, so dass wir mittlerweile fast alle Veranstalter-Wünsche auch bedienen können.
RADIO KOSMOS: Wer ist Euer bekanntester DJ/ Live-Act? Erzählt doch einfach mal mehr über Eure Künstler und Aktivisten?
Unser Rooster besteht aus insgesamt 16 Künstlern. Darunter sind mit Coline und Lumina zwei Mädels und mit District 341 auch ein DJ-Team. Nach Coline werden wir im Moment besonders häufig gefragt. Zum einen, weil sie sowohl in Deutschland als auch im Ausland viel unterwegs ist. Und zum anderen weil sie im Herbst in Belgien einen weltweiten DJane-Contest gewonnen hat. Vielen ein Begriff dürften auch Sierra von der Muna in Bad Klosterlausnitz und Sören Albrecht aus dem Soap Club in Hannover sein. Beide produzieren und releasen auch fleißig, so dass der ein oder andere vielleicht sogar eine Platte von ihnen im Case hat. Mit Shooshine, Audio Al und Jens Hansky haben wir ansonsten auch gleich drei Labelbosse im Boot. Wer sich von allen Künstlern mal ein Bild machen will, guckt am besten Mal auf unserer Webseite www.mosquitobooking.de. Da gibt es ausreichend Stuff zum Lesen und Hören.
RADIO KOSMOS: Wie finanziert Ihr Euch? Habt Ihr finanzielle Unterstützer oder Sponsoren?
Wir finanzieren uns komplett selbst. Das Geld, das wir für die Bemusterung der Clubs, unsere Webpräsenz, die Geschäftsausstattung oder für Dinge wie Fotoshootings oder die Produktion von Agenturshirts brauchen, ziehen wir aus den Provisionen für vermittelte Gigs.
RADIO KOSMOS: Welche Hürden muss man nehmen, um als aufstrebende Künstler-Agentur erfolgreich zu sein, um im Markt zu bestehen?
Ich glaube, die größte Hürde ist der Start. Wenn man bedenkt, wie viele Clubs es alleine in Deutschland gibt, ist es natürlich sauschwer ein flächendeckendes Kontaktnetz aufzubauen. Zumal die meisten Veranstalter natürlich erstmal sehr skeptisch sind, da sie häufig weder die Agentur noch die Künstler kennen. Wer einen Headliner im Rooster oder ein großes Werbebudget hat, kann sich da sicher schneller und einfacher etablieren. Bei uns hat es eben etwas länger gedauert, aber nach etwa einem Jahr hatten auch wir einigermaßen den Fuß in der Tür. Und dann muss man eben einfach am Ball bleiben. Wir leisten uns beispielsweise den Luxus, Clubs und Festivals weiter auf dem klassischen Postweg zu bemustern. Das ist zwar im Vergleich zu E-Mails teurer, wird aber insgesamt auch viel besser angenommen.

RADIO KOSMOS: Kommen auch Booking-Anfragen aus dem Ausland? Wenn ja, woher? Wer ist der kreative Kopf von MOSQUITObooking und woher holt Ihr Eure Inspiration?
Innerhalb Europas auf jeden Fall. Viele unserer Künstler spielen zum Beispiel regelmäßig in Belgien, Österreich, der Schweiz, Portugal und Spanien. Wir haben vor kurzem auch unsere MySpace-Seite komplett auf English umgestellt und haben das Gleiche demnächst mit unserer richtigen Webseite vor. Wir gucken natürlich auch immer wieder mit Spannung nach Asien oder Amerika, wo elektronische Musik gerade einen großen Hype hat. Und ich hoffe mal ganz stark, dass wir den Sprung über die europäischen Grenzen demnächst auch schaffen.
RADIO KOSMOS: Wie seht Ihr momentan die Entwicklung der elektronischen Musikbewegung? Gibt es neue Trends?
Von richtigen Trends würde ich da nicht unbedingt sprechen. Es gibt natürlich zeitweilig immer mal wieder Künstler oder Musikstile, die besonders auffallen. Im letzten Sommer war das für mein Empfinden wieder der Ed Banger-Style von Justice, Simian Mobile Disco oder auch Digitalism. Das konnte man auch bei den Festival-Lineups ganz gut beobachten. Ansonsten hält sich sowohl in Deutschland als auch im Ausland immer noch die Minimal-Welle. Prinzipiell muss man aber auch sagen, dass solche Bewegungen regional sehr verschieden ausfallen. Wenn man in Sachen Produktion von Trends reden will, dann kommt man um das Thema Digitalisierung und Netlabels wohl nicht drum herum. Diese Entwicklung heißt für den Markt natürlich zum einen, dass vor allem Nachwuchsproduzenten jetzt auch ohne großes Budget und unkomplizierter Musik veröffentlichen können. Zum anderen wird deren Qualität eben auch nicht mehr so stark gefiltert. Letztlich wird ein gutes Label wohl beide Wege parallel gehen. Und ich bin schon gespannt, wie sich das weiter entwickelt.
RADIO KOSMOS: Beschreibt doch mal die Gesamtsituation der ostdeutschen Clublandschaft. Seid Ihr damit zufrieden?
Wir haben in Ostdeutschland auf jeden Fall eine sehr florierende Club- und Musiklandschaft. Denken wir mal an große Clubs wie die Distillery in Leipzig oder die Muna in Bad Klosterlausnitz. Oder an die großen Festivals wie SonneMondSterne oder Melt!, die auch im Osten stattfinden. Und ich finde, es gibt gerade hier auch viele kleinere Locations, wo mit wenig Budget tolle Partys gemacht werden. Wenn man das mit anderen Gegenden vergleicht, sind wir doch sehr verwöhnt hier. Leipzig ist natürlich in der Hinsicht sowieso ein sehr gutes Beispiel. Zum einen wohnen hier gut eine halbe Million Menschen, darunter viele Studenten. Und zum anderen haben wir deshalb auch sehr viele verschiedene Locations, die auch unterschiedliche Styles bedienen.
RADIO KOSMOS: Was sind Eure Lieblingsclubs in Deutschland?
Speziell in Leipzig die Distillery und die Buddha Art Gallery, in Ostdeutschland die Muna in Bad Klosterlausnitz und der Washroom in Dresden. Und bundesweit das Harry Klein in München. Die Liste ließe sich beliebig verlängern ;-)
RADIO KOSMOS: Wie sehen Eure Ambitionen aus in Richtung Labelarbeit, Vertrieb und Musikproduktionen? Habt Ihr schon Künstler auf Vinyl veröffentlicht?
Wir selbst agieren ja nicht als Label, sondern als reine Künstleragentur. Unsere Arbeit beschränkt sich diesbezüglich darauf, die Produktionen unserer Künstler mit zu pushen – beispielsweise durch die Vermittlung von Magazininterviews. Das hat unter anderem auch damit zu tun, dass DJs mit eigenen Releases für Veranstalter häufiger interessanter sind. Und so macht es natürlich Sinn, die Clubbetreiber noch einmal mit der Nase auf die Releases zu stoßen. Und immerhin haben ja gleich drei unserer Artists auch ein eigenes Label. Und wenn wir da helfen können, dann tun wir das natürlich auch.

RADIO KOSMOS: Mit welchen großen Medien habt Ihr schon zusammengearbeitet und wie ist die Resonanz auf Eure Arbeit in der Öffentlichkeit?
Öffentlichkeitsarbeit ist uns generell erst mal sehr wichtig. Als kleine Agentur ist man ja auch ein Stück weit darauf angewiesen. Man bedenke, dass seitenfüllende Werbeanzeigen in großen Magazinen fast soviel kosten wie ein Kleinwagen. Deshalb sind wir für den redaktionellen Support der Medien sehr dankbar. Die Charts unserer Künstler werden zurzeit regelmäßig in der Raveline und dem VIBEmag abgedruckt. Mit kostenlosen regionalen Magazinen arbeiten wir ohnehin sehr viel und sehr gerne zusammen. Wir schicken unsere Jungs und Mädels auch häufig zu Radiosendern wie Sunshine Live, Sputnik oder NRJ Sachsen. Dann hat der Hörer auch gleich einen Eindruck vom Style des DJs. Zum Thema Resonanz: Es kommt schon häufig vor, dass wir daraufhin direkte Anfragen zu unseren Künstlern bekommen.
Oft schicken uns Nachwuchskünstler dann auch ihre Promosets zu. Und die hören wir dann meistens auf Langstrecken im Auto durch.
RADIO KOSMOS: Macht Ihr MOSQUITObooking nebenberuflich oder kann man davon leben?
Jeder von uns macht hauptberuflich etwas anderes. Das hat natürlich Vor- und Nachteile. Auf der einen Seite hast du nicht jeden Monat den Druck, mit der Agentur auch dein Leben finanzieren zu müssen – und kannst die Provisionen wieder direkt in die Künstler stecken. Auf der anderen Seite musst du die Bookingarbeit eben nach Feierabend und an den Wochenenden erledigen. Trotzdem: Im Moment sind wir über die sichere Variante ganz froh.
RADIO KOSMOS: Welche Tipps gebt Ihr Euren Nachwuchskünstlern mit auf den Weg?
Da gilt wohl das Gleiche, wie auch sonst im Leben. Grundsätzlich ist erstmal wichtig, dass man mit dem Herzen dabei ist – und es nicht nur macht, weil es gerade „in“ ist oder Kohle bringt. Da achten wir auch bei unseren Künstlern sehr drauf. Wir haben echt schon viele DJs erlebt, die uns erzählt haben, sie legen nur auf, weil die Mädels drauf stehen. Die meisten waren dann nach ein, zwei Jahren von der Bildfläche verschwunden. Vielleicht hatten sie dann auch einfach eine Freundin gefunden. Nur macht es aus reiner Agentursicht überhaupt keinen Sinn, in jemanden mit der Einstellung Geld und Arbeit zu stecken. Wichtig ist auch: Üben, üben, üben. Ein sauberes Mixing schütteln die wenigsten aus der Hand. Und dann natürlich schauen, dass man auf die Floors kommt und vor Publikum auflegt. Gerade kleinere, regionale Clubs sind Newcomern gegenüber meistens sehr aufgeschlossen, ein gutes Set reicht da oft schon. Und Fragen kostet sowieso nichts.
RADIO KOSMOS: Was sagt Ihr zum großen Erfolg der Loveparade 2007 in Essen? Und wie steht Ihr zu solch kommerziellen Events?
Zunächst mal haben wir uns ja sehr gefreut, dass auch Leipzig als Austragungsort im Gespräch war, auch wenn’s dann realistisch gesehen hier natürlich nicht durchführbar war. In Essen waren wir dann leider zwar nicht live dabei, haben das Ganze aber vor dem Fernseher verfolgt. Und ich muss sagen: wir waren schon sehr überrascht, dass am Ende tatsächlich über eine Million Leute im Ruhrpott gefeiert haben. Das hätten wir nicht gedacht. Für die Szene ist es natürlich super, schließlich ist die Loveparade ein Stück Kulturgut. Mal schauen, wie sich das Ganze in diesem Jahr in Dortmund entwickelt. Auf jeden Fall hat die Loveparade, wie auch alle anderen kommerziellen Events, ihre Daseinsberechtigung. Die Gästezahlen sprechen für sich.
RADIO KOSMOS: Was wünscht Ihr Euch für die Zukunft?
Hauptziel ist natürlich, MOSQUITObooking sowohl in Deutschland als auch international als Künstleragentur weiter etablieren zu können. Auf dem Weg dahin sind es eben viele kleine Schritte, die wir so nach und nach bewältigen. Im Grunde ist das ist ähnlich wie beim Hausbau. So richtig fertig wirst du nie. Wenn du das eine geschafft hast, willst du was anderes wieder optimieren. Langweilig wird’s uns also bestimmt erstmal nicht ;-)
Wir bedanken uns für das Interview und wünschen Euch weiterhin großen Erfolg bei Eurer künstlerischen Laufbahn.
Mehr Informationen findest Du unter:
http://www.mosquitobooking.de/
http://www.myspace.com/mosquitobooking
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