
„DAS GROSSE DR. MOTTE INTERVIEW 2009”
Von Primetime Entertainment/ Marcel Strömer und Keven Nau
Wer Dr. Motte nur als Vater der Loveparade sieht, kennt die vielen Facetten diese passionierten DJ’s leider nicht. Seit dem Jahr 2006 hat sich Dr. Motte von der LoveParade distanziert, da die Inhalte und Ziele der Loveparade nach dem Einzug der McFit Kette in die GmbH, zum Leidwesen des Schöpfers und geistigen Vaters, auf der Strecke geblieben sind. Zudem hielt er auf der “Fuckparade”, die ja als Gegendemonstration zur Loveparade entstand, einen kleinen aber feinen Redebeitrag.
Dr Motte, der "Godfather der Feierkultur" und Turntable-Artist hat längst sein Repertoire über Techno hinaus um die verschiedenen Spielarten des Electro und Minimal erweitert und garantiert authentisches Tanzvergnügen. Sein Mix aus aktuellen Electrosounds und Classics bringt immer wieder eine geniale Abfahrt.
Dr. Motte ist als DJ aktueller denn je. Seine Bookings sind ausgewählt, sein Sound ist gefragt und vielschichtig! Denn wer, wie er, Musik auch als soziale Verantwortung einer Kultur versteht, ist und bleibt zweifelsfrei progressiv! Sein Können setzt er auch immer wieder bei Kultur-Gatherings und für für Non-Profit Veranstaltungen ein (z.B. UNICEF) und eben diese Einstellung der Musik gegenüber
wurde auch vor kurzem durch einen LifeTime-Award auf Ibiza (neben Nominierten wie Sven Väth, Fedde le Grand und Carl Cox) honoriert.
Mit diesem Preis für sein Lebenswerk wurde eine Person gewürdigt, welche sich „durch dauerhaftes Engagement besonders für die elektronische Musik eingesetzt hat“. Und diese Message eilt Dr. Motte voraus. Er steht nicht nur für einen DJ der Oberklasse, der seit über zwei Jahrzehnten die Platten kreisen lässt und sein Handwerk wie kaum jemand beherrscht. Er ist mittlerweile die Galionsfigur des Techno geworden. Auf der ganzen Welt ist er im Namen des guten Sounds und brillanten Techno als Botschafter unterwegs.
So spielte er im Mai 2007 als Ehrengast vor Zehntausenden Koreaner in Seoul auf dem World DJ Fest oder im Juni 2007 auf Einladung der deutschen Botschaft in Caracas, Venezuela oder im Oktober 2007 in China als Repräsentant der deutschen Clubkultur neben Acts wie 2Raumwohnung, Juli oder Mia .
Dr. Motte ist eine feste Instanz der weltweiten elektronischen Musik- und Clubkultur. Und dies stellt er immer wieder unter Beweis. Im kleinen UndergroundClub genau so wie auf den großen Partys, die Tausende von Besuchern anlocken.

Das Interview mit Dr. Motte
RADIO KOSMOS: Wie kamst Du zur Musik?
Dr. Motte: Meine Mutter hatte, als ich ein kleines Kind war, immer viel Klassikmusik gehört. Sie hat auch selbst immer zu Hause geprobt und deswegen lief immer irgendwie Musik. Irgendwann nahm ich einen Kochlöffel und dirigierte damit das Orchester in den Lautsprechern. Da war ich 4 Jahre alt. Ich hatte die Erfahrung der Ganzheit in der Musik gemacht. Ich war eins mit ihr.
RADIO KOSMOS: Wann fingst Du an Dich für elektronische Musik zu interessieren und was faszinierte bzw. fasziniert Dich an ihr?
Dr. Motte: Ich hab bereits im Alter von 12 Jahren elektrischen Jazz gehört. Später in der Punkzeit 1979 wurde ich aufmerksam auf Gruppen wie „Cabaret Voltaire“. Ich fand es schon immer interessant aus Strom Musik zu machen, und was aus so einem Synthesizer herauskommt hat mich immer fasziniert.
RADIO KOSMOS: Erzählt doch mal über die Entstehung Deiner neuen Tracks?
Dr. Motte: In der Regel versuche ich auf bestimmte Dinge zu reagieren. Das kann alles mögliche sein. Ich versuche dann z.B. meine Sicht der Dinge in der Musik umzusetzen. Manchmal bin ich mit dem Ergebnis zufrieden und eben manchmal nicht.
RADIO KOSMOS: Auf welchem Label wird veröffentlicht?
Dr. Motte: Ich fühle mich an kein Label gebunden, werde aber in Kürze mein eigenes Label gründen. PRAXXIZ. Die letzte Veröffentlichung ist auf Fax Rec. als „Dr. Motte meets Gabriel Le Mar“ erschienen.
RADIO KOSMOS: Was ist Deine absolute Lieblingsscheibe?
Dr. Motte: Manuel Göttsching „E2-E4“.
RADIO KOSMOS: Welches unvergessliche Live-Erlebnis gab es in Deiner Laufbahn?
Dr. Motte: Alle Loveparaden bis 2003 waren einzigartig. Seit 2006 bin ich nicht mehr dabei, weil eine Fitnesskette die Inhalte generiert. So ein Witz! Aber auf dem Q-Damm bis 1995 war es immer genial! Danke!
RADIO KOSMOS: Wie verlief der Weg vom gelernten Betonbauer zwischen Kalk und Schmutz zum Diskjockey?
Dr. Motte: Ich habe schon immer Musik gesammelt. Ich habe Ende 1982 aufgehört als Betonbauer zu arbeiten, weil mein Arbeitgeber mich damals nicht mit meiner Band spielen lassen wollte. Dann habe ich Musik auf Kassetten an Bars und Cafés verkauft und davon gelebt. 1985 fragte mich ein Freund, ob ich nicht in einem kleinen Club in Kreuzberg (Berlin) anfangen wollte. Ein Jahr später machten wir DJs und ein Geldgeber dann zusammen den Club „Turbine Rosenheim“ auf...

RADIO KOSMOS: Spielst Du selber ein Musikinstrument?
Dr. Motte: Drums und Percussion.
RADIO KOSMOS: Welche Musik hörst Du privat?
Dr. Motte: Ich höre Musik, die mir gefällt: Jazz, Weltmusik und die ganze Bandbreite der elektronischen Musik, also von Ambient bis Elektro Punk.
RADIO KOSMOS: Wie ist der Kontakt in die Musikszene damals entstanden?
Dr. Motte: Ich war schon immer teil der Musikszene.
RADIO KOSMOS: Mit welchem Künstler arbeitest Du am liebsten zusammen?
Dr. Motte: Ich arbeite mit allen Künstlern gerne zusammen, weil es immer spannend ist, was dabei herauskommt.
RADIO KOSMOS: Wer hatte die Idee Deines Künstlernamens „Dr. Motte“?
Dr. Motte: Meine Freunde 1979 gaben mir den Namen Motte. Meine Freunde 1991 gaben mir den „Dr.“ dazu, weil ich beim Platten drehen alle so schön verzauberte und trotzdem selbst nüchtern blieb...
RADIO KOSMOS: Sind Nachtfalter Deine Lieblingstiere?
Dr. Motte: Alle Tiere sind meine Freunde, alle!
RADIO KOSMOS: Hast Du Kinder oder eigene Familie? Wie alt sind sie?
Dr. Motte: Nein. Ich bin glücklich mit meiner Lebensgefährtin Ellen zusammen.
RADIO KOSMOS: Wie lange wirst Du als Dr. Motte aktives Mitglied der deutschen DJ-Szene sein? Wann ist Schluss?
Dr. Motte: Warum sollte irgendwann Schluss sein? Ich werde so lange weiter machen, bis ich sterbe. Ich bin der Herr meines Lebens. Ich bin frei und respektiere die Freiheit der Anderen.

RADIO KOSMOS: Wie stehst Du zu Casting- und Talent-Shows „DSDS“, „Popstars“ oder „MusicStar“?
Dr. Motte: Der einzige, der bei Castingshows der Gewinner ist, ist der, der die Show macht. Alle anderen sind Sklaven der Medien und Major Verlage, denen es nicht um Musik geht, sondern um Profit und verkaufte Einheiten.
RADIO KOSMOS: Wie gefiel Dir das JUNIMOND-Festival 2009 persönlich?
Dr. Motte: gute Veranstaltung, gute Musik, gute Leute. Ich könnte mir mehr Liveacts für die Zukunft vorstellen...
RADIO KOSMOS: Was fällt Dir spontan ein, wenn Du an Magdeburg denkst?
Dr. Motte: Otto der Große und Till Eulenspiegel.
RADIO KOSMOS: Wie politisch bist Du heute? Wo engagierst Du Dich?
Dr. Motte: Ich habe mich bereits in den 1972-Jahren politisch engagiert. Mitte der 90er entdeckte ich die Lehren des Buddhas durch seine Heiligkeit des 14. Dalai Lama. Mein politisches Interesse ist jetzt durch humane Gründe geprägt. Mein Interesse ist eine glückliche Gesellschaft zu entwickeln. Der heutige Neoliberalismus zerstört die Zukunft des Lebens auf diesem Planeten. Für Deutschland müssen wir zurück zum Sozialstaat!

RADIO KOSMOS: Stichwort Bundestagswahl 2009! Was wählst Du? Wie stehst Du zu den Wahlen allgemein?
Dr. Motte: Wenn es was zu wählen gibt, dann Parteien, die Lügen. Das brauchen wir nicht! Gibt es eine Alternative? Vielleicht die innere Emigration?
RADIO KOSMOS: Welche Botschaft möchtest Du auch ohne „Loveparade“ vermitteln?
Dr. Motte: Wege zum individuellen Glück.
RADIO KOSMOS: Ist Deine Philosophie einer freien und ravenden Generation aufgegangen?
Dr. Motte: Ich hatte nie die Vision einer ravenden Gesellschaft. Was wir brauchen, ist ein Andocken an gute deutsche Tugenden, die von den Nazis leider zerstört wurden und Berlin war in den 1920er Jahren die Welt-Kultur-Hauptstadt. Jetzt gibt es viel gute Projekte, die an die 1920er Jahre anschließen und diese wunderbar weiterentwickeln.
RADIO KOSMOS: Gibt es nach Deiner Meinung Musikprojekte ohne Kommerz-Hintergrund?
Dr. Motte: Das musst Du jedes einzelne Projekt selber fragen.
RADIO KOSMOS: Wie bist Du auf die Grundidee der Loveparade gekommen?
Dr. Motte: Ich hatte eine Idee und hab sie mit Freunden geteilt.
RADIO KOSMOS: Warum hattest Du 2006 von der Loveparade ein Redeverbot erteilt bekommen?
Dr. Motte: Was? So ein Quatsch!
Nach dem Verkauf der Loveparade an diese Fitness-Sekte und dem Verrat aller damaligen Gesellschafter an der Idee der Loveparade konnte ich nicht mehr daran teilnehmen. Die Loveparade hatte 2006 noch Glück, dass der alte Vertrag genau noch bis 2006 lief.

Dr. Motte: Hier meine Presseerklärung vom 20.04.2006
Offizielle Presseerklärung
Dr. Motte und Loveparade Berlin
“Dass die LOVEPARADE dieses Jahr wieder stattfindet war unser Ziel und das haben wir erreicht, darüber bin ich froh“, so Dr. Motte.
Mit dem Verkauf von Anteilen der Loveparade an den Investor Herrn Rainer Schaller (McFitness GmbH) ist die Durchführung der Veranstaltung ermöglicht worden.
Inhaltlich zieht sich Dr. Motte nun aus der Durchführung zurück.
Dr. Motte: „Mein Interesse war und ist die Darstellung zeitgenössischer gelebter elektronischer Musikkultur in all Ihren Facetten, ohne Ausnahme. Es geht um Inhalte, um kulturelle Entwicklung, um das Aufzeigen und Öffentlichmachen von künstlerischer Arbeit mit Hilfe einer dafür entwickelten Plattform: der Parade.“
Gesteht man der ‚alten’ LOVEPARADE einen Erfolgsmoment zu, dann ist es die inhaltliche Umsetzung. „Die Parade in Berlin ist nicht an Inhalten gescheitert, sondern an äußeren Umständen“ betont Dr. Motte.
Die Loveparade war und ist eine internationale Plattform. Gespräche in Bezug auf die inhaltliche Zusammenarbeit scheiterten bereits im Vorfeld an unterschiedlichen Standpunkten und keinesfalls an der Ausgrenzung einer Stilrichtung dieses Genres durch Dr. Motte.
„Für eine beliebige Electronic Dance Parade stehe ich nicht zur Verfügung. Ich habe mich entschlossen den Weg frei zumachen und mich aus der konkreten Umsetzung zurückzuziehen. Ich wünsche allen Teilnehmern der Loveparade Berlin, daß sie ihren Spirit behalten und die Loveparade weiterhin eine friedliche Veranstaltung bleibt.“
Die Loveparade gilt als Vorreiter und Vorlage für etliche weitere Paraden national, wie international in Hamburg, München, Mexico City, Tel Aviv u.v.m., sowie als weltweit vorbildlich in Bezug auf den insgesamt friedlichen Ablauf einer Tagesveranstaltung dieser Größenordnung. (Besucherzahlen im Durchschnitt: 500.000, Vergleich Größe der Stadt Frankfurt a.M. mit 646.000 Einwohnern und Hannover mit rund 516.000 Einwohnern)
Dr. Motte steht innerhalb des globalen Netzwerkes dieses Musikgenres privat wie künstlerisch für Weiterentwicklung, Austausch und Verständigung.
Er ist als DJ weltweit gebucht und veröffentlicht international Produktionen auf seinen Labels Praxxiz, sowie Space Teddy, lebt und arbeitet in Berlin.
RADIO KOSMOS: Ist die Loveparade noch das, wofür sie mal stand?
Dr. Motte: Die Loveparade ist nur noch eine Werbeveranstaltung für den neuen Besitzer, der Fitness-Sekte, die als rassistisch gilt. Der Besitzer der Fitness-Sekte hat keine Ahnung von Musik!
Wir bedanken uns für das Interview und wünschen Dir weiterhin viel Erfolg. Dein RADIO KOSMOS - "it´s all about music“- Team!
Mehr Informationen findest Du unter:
- http://www.drmotte.de/wordpress/
- http://www.myspace.com/doctormotte
- http://www.dancefield.de
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