
(Foto by RADIO KOSMOS - "it´s all about music"/ Jens Richter)
„DAS LOVEPARADE INTERVIEW 2009”
Von Primetime Entertainment/ Marcel Strömer, Keven Nau und Conrad Adler
Nach langem Hin und Her hat sich die traurige Nachricht für die bundesweite Technoszene entgültig bestätigt, im Jahr 2009 wird es keine Loveparade im Land der Paraden geben!
Ist Bochum zu klein für eine Loveparade?
Hier die wichtigsten Fakten der Diskussions-Schwerpunkte: Im Vorfeld der Vorbereitungen zur Loveparade 2009 kam es am 15. Januar 2009 zu einer Krisensitzung zwischen der Bochumer Stadtverwaltung und den offiziellen Veranstaltern der Lopavent GmbH. Grund dafür waren, die durch den Besucherrekord von mehr als 1,6 Millionen Ravern im vergangenen Jahr in Dortmund aufgetretenen Sicherheitsprobleme.
Für dieses Jahr wäre, nicht zuletzt auch wegen des 20-jährigen Geburtstags der „größten Technoparade der Welt“, mit einem noch größeren Andrang auf dem geplanten Austragungsort Bochum zu rechnen.
Doch aufgrund fehlender Plätze für die offizielle Abschlusskundgebung und zeitgleichen massiven Gleisbauarbeiten der Deutschen Bahn am Bochumer Hauptbahnhof, der dadurch nur Eingeschränkt nutzbar ist, kann keine Garantie für eine sichere Durchführung der Loveparade und ordnungsgemäße Bewältigung des Besucheransturms gegeben werden, so die Bochumer Stadtverwaltung.
Der nordrhein-westfälische Verkehrsminister Oliver Wittke (CDU) forderte in der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ die Städte auf, besser zusammenarbeiten, um die Veranstaltung doch noch zu ermöglichen. Wittke erklärte, er prüfe, ob die Autobahn 40 für über eine Million Raver auch 2009 an einem Tag gesperrt werden könne. „Die A 40 haben wir ja bereits 2008 in Dortmund gesperrt; das war damals allerdings schon recht früh bei mir angefragt worden.“ Bei der Loveparade 2009 sei er bisher nicht eingebunden gewesen. Die Absage entspreche jedenfalls nicht dem Selbstbild des Reviers als Metropole, kritisierte der Minister. Allerdings hatte die Lopavent GmbH bereits erklärt, ein alternativer Veranstaltungsort sei nicht vorgesehen.
Der Bitte der Stadt Bochum, auf dieser Grundlage für 2009 die Loveparade nicht in Bochum zu veranstalten, hat die Lopavent GmbH, entsprochen. Der Loveparade-Veranstalter Lopavent ist der Auffassung, dass unter diesen Rahmenbedingungen eine Loveparade 2009, wie sie in den letzten Jahren stattgefunden hat, nicht möglich ist. Ein alternativer Austragungsort ist für 2009 nicht vorgesehen.
Die Loveparade war 2007 mit dem Konzept „Loveparade Metropole Ruhr 2007-2011“ gestartet. Das Konzept sieht vor, in fünf Jahren, in fünf verschiedenen Städten des Ruhrgebiets nacheinander zu bespielen. Erklärtes Ziel: die gesamte Metropole Ruhr abzubilden und konzeptionell zu integrieren. Loveparade-Chef Rainer Schaller: „Die Metropole Ruhr hat der Loveparade zu einer ungeahnten Größe verholfen. Der Preis des Erfolgs ist jetzt, dass wir vor einer enorm großen Herausforderung für die kommenden Jahre stehen. Wir werden jetzt die Zeit nutzen und die kommenden Städte eingehend prüfen, um bei Ruhr 2010 wieder dabei zu sein.“

Loveparade feat. Berlin Dance Parade?
„Wir wären froh, wenn sich die Loveparade an unserer Parade beteiligt“, sagte der Organisator des „Berlin Dance Parade“, Ralf Lipus, gegenüber dem „Tagesspiegel“. Die Veranstalter der „B-Parade“ versuchen seit rund drei Jahren in der Wiegenstadt der Loveparade eine weitere Großveranstaltung diese Genres zu etablieren – stattgefunden hat sie allerdings noch nie! Die Loveparade hat daher große Zweifel an der Durchführung der Parade am angestrebten Datum und lehnen das Angebot dankend ab. Nach Angaben des Online-Magazin „ravesite.de“ haben sich bereits 17 Trucks bei der „Berlin Dance Parade“ registriert. Die „Berlin Dance Parade“ Veranstalter hoffen nun nach der Absage der Loveparade mit einer großen Aufmerksamkeit. Über den aktuellen Stand ist nichts bekannt. Die Raver dürfen gespannt sein.
Durch rechtzeitige Klärung von stadtpolitischen Gegebenheiten im Hinblick auf die allgemeine Infrastruktur hätten viele Schwierigkeiten vermieden werden können. Eine enge Zusammenarbeit mit der Stadt Bochum ist gescheitert. Jetzt muss die Loveparade 2009 aus den Veranstaltungskalendern gestrichen werden.
Kleiner Trost: 2010, im Rahmen der Kulturhauptstadt Europas soll das großartige Technospektakel der Superlative in Duisburg steigen, 2011 in Gelsenkirchen. Was im Jahr 1989 in Berlin mit 150. Teilnehmer begann, etablierte sich zu einer Weltmarke in der Technoszene.
Offizielle Pressemitteilung der Lopavent GmbH, der Stadt Bochum und der Wirtschaftsförderung metropoleruhr GmbH
Loveparade 2009 in Bochum nicht realisierbar
Bochum, 15.1.2009. Die „Loveparade Metropole Ruhr 2007-2011“ kann 2009 nicht in Bochum stattfinden. Die Kapazität der vorhandenen Infrastruktur in Bochum reicht für die Bewältigung der erwarteten Besuchermassen nicht aus – die Parade ist in den vergangenen Jahren zu stark gewachsen. Darüber hinaus haben vor allem umfangreiche Gleisbauarbeiten der Deutschen Bahn zur Konsequenz, dass nur ein Teil der erwarteten Besucher tatsächlich zur Veranstaltung gelangen würde.
Der Bitte der Stadt Bochum, auf dieser Grundlage für 2009 die Loveparade nicht in Bochum zu veranstalten, hat der Veranstalter, die Lopavent GmbH, entsprochen. Lopavent ist der Auffassung, dass unter diesen Rahmenbedingungen eine Loveparade, wie sie in den letzten Jahren stattgefunden hat, nicht möglich ist. Ein alternativer Austragungsort ist für 2009 nicht vorgesehen.
Das Konzept der „Loveparade Metropole Ruhr 2007-2011“ ist es, in fünf Jahren fünf verschiedene Städte nacheinander zu bespielen – in urbaner, zentrumsnaher Lage. Erklärtes Ziel: die gesamte Metropole Ruhr abzubilden und konzeptionell zu integrieren. Dies ist in enger Zusammenarbeit mit der Region in den letzten beiden Jahren hervorragend gelungen.

Der Erfolg der Loveparade in Essen (2007) und Dortmund (2008) übertraf die Erwartungen der Metropole Ruhr und des Veranstalters bei weitem. Nach 1,2 Mio. Besucher 2007 gab es mit 1,6 Mio. Besucher 2008 einen neuen Rekord, aber auch damit neue Herausforderungen. Für 2009 wäre, nicht zuletzt auch wegen des 20jährigen Bestehens der Loveparade, mit einem mindestens gleich großen Interesse zu rechnen.
Loveparade-Chef Rainer Schaller: „Die Metropole Ruhr hat der Loveparade zu einer ungeahnten Größe verholfen. Der Preis des Erfolgs ist jetzt, dass wir vor einer enorm großen Herausforderung für die kommenden Jahre stehen. Wir werden jetzt die Zeit nutzen und die kommenden Städte eingehend prüfen, um bei Ruhr 2010 wieder dabei zu sein.“
Hanns-Ludwig Brauser, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung metropoleruhr GmbH, unterstreicht ebenfalls den bisherigen Erfolg der Veranstaltung für die Region und die Ausrichter und ergänzt: „Wir haben gezeigt, dass wir trotz der Bedenken Einzelner in der Lage sind, Veranstaltungen in dieser Dimension durchzuführen.
Nach Dortmund war klar, dass mit 1.6 Millionen Besuchern Grenzen erreicht wurden zumal erst gestern bekannt wurde, dass der Bochumer Hauptbahnhof im Sommer wegen Gleisarbeiten teilweise nicht zu nutzen sein wird. Dies macht die Chance zunichte, eine auf Bochum zugeschnittene Veranstaltung durchzuführen. Trotz dieser Entwicklung wird die Loveparade der Region erhalten bleiben.“
„Bochum hätte sich gerne als Veranstaltungsort für die Loveparade 2009 profiliert“ erklärt Oberbürgermeisterin Dr. Ottilie Scholz. „Zur getroffenen Entscheidung gab es aber nach intensiver und mehrfacher Prüfung keine Alternative.“
Das Interview mit Björn Köllen (Pressesprecher der Loveparade) zur Absage der Loveparade 2009

RADIO KOSMOS: Welche Hauptgründe führten zur Absage der Loveparade 2009?
LOVEPARADE: Die Loveparade hat 2008 mit 1,6 Millionen Besuchern den Rekord erzielt – mit diesem Riesenerfolg hat keiner gerechnet, als wir 2007 in die Metropole Ruhr kamen. Die Kapazität der vorhandenen Infrastruktur in Bochum reicht für die Bewältigung der erwarteten Besuchermassen nicht aus – die Parade ist in den vergangenen Jahren zu stark gewachsen. Darüber hinaus haben vor allem umfangreiche Gleisbauarbeiten der Deutschen Bahn zur Konsequenz, dass nur ein Teil der erwarteten Besucher tatsächlich zur Veranstaltung gelangen würde. Der Bitte der Stadt Bochum, auf dieser Grundlage für 2009 die Loveparade nicht in Bochum zu veranstalten, sind wir als Veranstalter dann nachgekommen.
RADIO KOSMOS: Wird es eine Alternative für den Wegfall der Loveparade 2009 im Ruhrgebiet geben?
LOVEPARADE: Wir konzentrieren uns jetzt auf das nächste Jahr und den Austragungsort Duisburg. In diesem Jahr werden wir keine alternative Party veranstalten.

RADIO KOSMOS: Wie steht die aktuelle Planung zur Loveparade 2010 in Duisburg? Gibt es bereits erste Details zu vermelden?
LOVEPARADE: Wir befinden uns gerade in der Planung für Duisburg. Bisher haben wir über Details zu Strecke, Motto und Line-Up immer erst im Februar/März vor der Parade informiert, da die Organisation sehr aufwendig ist. Wir bitten also noch um wenig Geduld. Bald gibt es mehr Infos.
RADIO KOSMOS: Welche Künstler & Acts stehen ganz oben auf Eurer Wunschliste? Mit welchen Hoffnungen geht Ihr jetzt ans Werk, ist die Enttäuschung über die Absage der Loveparade 2009 bereits verkraftet?
Wo seht Ihr die musikalische Zukunft der elektronischen Musikkultur und wie bestückt Ihr das musikalische Konzept für Duisburg?
LOVEPARADE: Auf der Loveparade in Dortmund 2008 waren unter anderem mit Moby und Underworld Top-Acts am Start. Für die nächste Loveparade haben wir schon super Ideen, die Details kann ich aber leider noch nicht ausplaudern. Wir haben das Musikprogramm in den letzten Jahren etwas geöffnet und entwickeln die Parade stetig weiter. Das Spektrum der Musikstile wird breiter, die Zahl der Live-Acts und Showelemente höher.
RADIO KOSMOS: In Zeiten von Wirtschaftskrise und Rezession sind finanzielle Mittel sicher sehr begrenzt. Wie finanziert sich das Unternehmen Lopavent GmbH und schafft Ihr trotzdem noch den Qualitätsstandard der Loveparade vergangener Jahre zu halten oder gar zu steigern? Wenn ja, wie?
LOVEPARADE: Der Hauptsponsor der Loveparade ist nach wie vor die Fitnessstudiokette McFit. Die finanziellen Mittel für den Qualitätsstandard sind also da – es kann losgehen!

RADIO KOSMOS: Welchen Stellenwert hat die Loveparade Eurer Meinung nach insgesamt auf die elektronische Musikbewegung?
LOVEPARADE: Die Loveparade präsentiert die vielfältigen Facetten elektronischer Musik und sie gilt als Wiege der deutschen Techno- und House-Szene. Sie hat also einen hohen Stellenwert, das zeigt auch das Line-Up, das jedes Jahr aus großartigen Künstlern besteht.
RADIO KOSMOS: Wird es eines Tages doch eine Rückkehr der Loveparade in die Bundeshauptstadt Berlin geben?
LOVEPARADE: Wir fühlen uns in der Metropole Ruhr wohl und konzentrieren uns darauf. Die Parade ist zusammen mit der Region erfolgreich und jetzt geht es erstmal in die nächste Runde: Duisburg 2010.
RADIO KOSMOS: Gibt es bereits Planungen für die Loveparade 2010 und 2011?
LOVEPARADE: Ja, wir planen schon. Nähere Informationen wird es aber erst später geben, denn die Planungen sind aufwendig.
RADIO KOSMOS: Seht Ihr in der Ausrichtung der „Berlin Dance Parade“ eine ernsthafte Konkurrenz? Gebt Ihr dieser neuen Technoparade eine Chance?
LOVEPARADE: Eine Konkurrenz sehen wir in der Veranstaltung nicht – warum sollen die Fans nicht auch auf anderen Veranstaltungen Spaß haben?

RADIO KOSMOS: Was wünscht Ihr Euch für die Zukunft der Loveparade?
LOVEPARADE: Dass die Menschen weiterhin gern zur Loveparade kommen und wir einen positiven Beitrag zur elektronischen Musik leisten. Und: Sonnenschein am Tag der Veranstaltung – dann ist alles gut.
RADIO KOSMOS - "it's
all about music": Wir bedanken uns für das Interview und wünschen Euch viel Erfolg bei der Realisierung der Loveparade 2010.
Mehr Informationen findest Du unter:
- http://www.loveparade.de
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